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The Tree of Life
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The Tree of Life (dt.: âDer Baum des Lebensâ) ist ein Spielfilm des US-amerikanischen Regisseurs Terrence Malick aus dem Jahr 2011. Das Drama, fĂŒr das Malick auch das Drehbuch verfasste, schildert eine Familientragödie aus Texas und gibt dieser durch Zitate aus dem biblischen Buch Hiob einen spirituellen Rahmen. Damit handelt es sich bei The Tree of Life um einen religiösen Film ohne religiöse Dogmen. Die Familiengeschichte wird fragmentarisch aus der Sicht des erwachsenen Sohnes Jack, gespielt von Sean Penn, erzĂ€hlt, mit Natur- und Trickaufnahmen kombiniert und mit existenziellen Fragen aus dem Off unterlegt. In weiteren Rollen sind Brad Pitt und Jessica Chastain als Eltern zu sehen. Der Film wurde von den Firmen Cottonwood Pictures, Plan B Entertainment und River Road Entertainment produziert und feierte seine Premiere am 16. Mai 2011 im Wettbewerb der 64. Filmfestspiele von Cannes. Dort wurde The Tree of Life mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. 2012 folgten drei Oscar-Nominierungen.
Ein Kinostart in der deutschsprachigen Schweiz erfolgte am 26. Mai 2011, ein limitierter Kinostart in den Vereinigten Staaten einen Tag spÀter. Die Veröffentlichung in Deutschland erfolgte am 16. Juni 2011.
Bei den Trickaufnahmen wurde der SpezialeffektkĂŒnstler Douglas Trumbull herangezogen, der unter anderem an Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum mitgearbeitet hatte. Wiederholt zog die Fachkritik Vergleiche zu dem einflussreichen Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1968.
Contents
âą Handlung
âą Kritiken
âą Auszeichnungen
âą Extended Cut
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Handlung
Am Anfang des Films steht ein Zitat aus dem Buch Hiob (Kapitel 38, Verse 4 und 7) des Alten Testaments:
âWo warst du, als ich die Erde grĂŒndete? ⊠Als mich die Morgensterne miteinander lobten und jauchzten alle Gottessöhne?âcite-ref-3[3]
Nach dem Erscheinen eines mysteriösen, wabernden Lichtes beginnt der Film mit der Darstellung einiger Szenen aus der Kindheit der spĂ€teren Mrs. OâBrien. Die Darstellung der Lichterscheinung sowie Szenen aus Fantasiewelten dienen in der Folge als Verbindung verschiedener ErzĂ€hlzeiten und HandlungsstrĂ€nge. Die Handlung wird einige Jahre spĂ€ter im US-amerikanischen Texas fortgesetzt. Dort erhĂ€lt Mrs. OâBrien â nunmehr Ehefrau und Mutter dreier Söhne â ein Telegramm, das sie vom Tod ihres 19-jĂ€hrigen Sohnes R. L. im Rahmen eines MilitĂ€reinsatzes unterrichtet. Die Nachricht stĂŒrzt sie, ihren Ehemann und die verbliebenen Söhne in tiefe Trauer. Der Ă€lteste Sohn Jack verarbeitet dieses Trauma nicht und muss noch im Erwachsenenalter, als erfolgreicher Architekt in der Stadt Houston, jeden Tag an seinen verstorbenen Bruder denken.
Als Jack Zeuge wird, wie vor einem GebĂ€ude ein Baum gepflanzt wird, wechselt die Handlung. Bilder des Urknalls und die Entstehung des Lebens auf der Erde werden gezeigt, die von flĂŒsternd vorgetragenen existenziellen Fragen Jacks aus dem Off sowie im Verlauf des Films von weiteren Figuren untermalt sind. Es folgt ein verletzter Dinosaurier an einem Flussbett, den ein RĂ€uber verschont. Daraufhin wechselt die Zeitebene in die 1950er Jahre ins texanische Waco. Die weiĂe Mittelklasse-Familie OâBrien lebt in einem alten, in der idyllischen Vorstadt gelegenen Haus mit ihren drei heranwachsenden Söhnen Jack, R. L. und Steve. Die drei BrĂŒder sind hin- und hergerissen zwischen Vater und Mutter. Mr. OâBrien ist Ingenieur und hat eine hochrangige Stellung in einer örtlichen Raffinerie inne. Seinen frĂŒheren Ambitionen, Musiker zu werden, geht er nur noch zu Hause am Klavier und als Kirchenorganist nach. Er lĂ€sst zahlreiche Erfindungen patentieren und hofft, so eines Tages zu groĂem Wohlstand zu kommen. Gleichzeitig idolisiert Mr. OâBrien die reichen Land- und Immobilienbesitzer und erzieht seine Söhne mit Ă€uĂerster Strenge. Damit will er erreichen, dass diese sich im spĂ€teren Leben durchsetzen können. Die sanftmĂŒtige, auf Gott vertrauende Mutter ertrĂ€gt still die strenge Erziehung ihres Ehemannes.
Jack wird vom Ehrfurcht gebietenden Vater eingeschĂŒchtert, und schlieĂlich rebelliert er als Pubertierender gegen seine Eltern. Er springt aufmĂŒpfig ĂŒber die BĂ€nke in der Kirche, quĂ€lt â angestachelt durch seine gleichaltrigen Freunde â Tiere und verletzt einen seiner BrĂŒder vorsĂ€tzlich. Mit Gleichaltrigen randaliert er in der Umgebung, und in ihm reifen erste erotische Phantasien ĂŒber eine Nachbarin. Sein verhasster Vater kann ihn trotz Strafen nicht bĂ€ndigen. Als Mr. OâBrien eines Tages das Auto repariert, spielt Jack mit dem Gedanken, den Wagenheber zu lösen und seinen Vater auf diese Weise zu töten. Er setzt den Gedanken jedoch nicht in die Tat um. Als die Raffinerie, in der Mr. OâBrien beschĂ€ftigt ist, schlieĂt, ist die Familie gezwungen umzuziehen. Der Vater verliert sein Selbstvertrauen und erklĂ€rt Jack, er sei nur so streng gewesen, um ihn auf ein Leben auf eigenen FĂŒĂen vorzubereiten.
Der Film endet in einer Traum- bzw. Jenseitssequenz: Der erwachsene Jack tritt durch einen in der felsigen WĂŒste aufgestellten TĂŒrrahmen. Daraufhin begegnet er an StrĂ€nden bzw. in einer SalzwĂŒste seiner Mutter, seinem Vater, seinem toten Bruder sowie weiteren Menschen, die Teil seines Lebens waren. Der Film endet mit dem erneuten Erscheinen des Lichtes.
Entstehungsgeschichte
AnfÀnge und variierende Besetzung
Die AnfĂ€nge des Filmprojekts sollen bis Ende der 1970er Jahre zurĂŒckreichen. Malick hatte sich nach dem Kritikererfolg In der Glut des SĂŒdens (1978) mit einem Projekt namens âQâ beschĂ€ftigt, das die Entstehung des Lebens zum Thema haben sollte. Der Film wurde jedoch 1983 verworfen, nachdem bereits viele Unterwasseraufnahmen von Quallen vor dem australischen Great Barrier Reef sowie Material von auseinanderbrechenden arktischen EisflĂ€chen entstanden waren. Das Drehbuch, das Malick an das Filmstudio Paramount Pictures geschickt hatte, enthielt keine Dialoge. 1989 wurde ihm eine Verfilmung von D. M. Thomasâ preisgekröntem Holocaust-Roman The White Hotel angeboten. Auch spielte er mit dem Gedanken, Werke von Walker Percy (The Moviegoer) oder Larry McMurtry (The Desert Rose) zu verfilmen,cite-ref-6[6] ehe Malick erst nach zwanzig Jahren Leinwandabstinenz erfolgreich mit seinem dritten Spielfilm Der schmale Grat (1998) auf die Kinoleinwand zurĂŒckkehrte.
Mitte 2005 wurde Malicks The Tree of Life erstmals mit Produzent Donald Rosenfeld angekĂŒndigt. Die indische Percept Picture Company sollte den Film gemeinsam mit Sahara One Motion Pictures produzieren. Als Kameramann war Emmanuel Lubezki vorgesehen, wĂ€hrend die Dreharbeiten teilweise in Indien stattfinden sollten. FĂŒr die Hauptrollen waren Mel Gibson und Colin Farrell vorgesehen. Die Produktionskosten wurden auf 145 Millionen US-Dollar geschĂ€tzt.cite-ref-7[7]cite-ref-8[8] 2007 wurde Heath Ledger, der im darauffolgenden Jahr verstarb, fĂŒr die mĂ€nnliche Hauptrolle und Sean Penn fĂŒr eine Nebenrolle gehandelt.cite-ref-9[9] Brad Pitt kam zuerst als Besitzer des Filmproduktionsunternehmens Plan B Entertainment mit seiner GeschĂ€ftspartnerin Dede Gardner mit dem Projekt in BerĂŒhrung,cite-ref-10[10] ehe er die Hauptrolle des Vaters Mr. OâBrien ĂŒbernahm. Pitt sollte The Tree of Life spĂ€ter als experimentellen Film und Malick als âUnperfektionistâ beschreiben, da er die âPerfektion in der Unvollkommenheitâ finde.cite-ref-11[11] Der Arbeitsprozess mit Malick sei fĂŒr ihn eine prĂ€gende Erfahrung gewesen: âEr ist wie ein Kerl mit einem Schmetterlingsnetz, der wartet, um den richtigen Moment einzufangen.â Viele der Szenen seien erst Tag fĂŒr Tag am Set erarbeitet worden, was sehr anstrengend gewesen sei. âEr [Malick] liebt alle seine Charaktere, respektiert sie. Und er ist sehr spirituell, hat einen sehr universellen Zugang zur Welt. Wir hatten zahlreiche theologische Debatten wĂ€hrend des ganzen Drehsâ, so Pitt.cite-ref-sda-12-0[12] Der fertige Film enthĂ€lt entgegen der amerikanischen Tradition nur wenige Dialoge und sogar mit Musik ĂŒberlagerte Sprechszenen nach Art eines Stummfilms.
Als Pitts Filmgattin hatte man eine relativ unbekannte Schauspielerin verpflichten wollen und wĂ€hlte die US-Amerikanerin Jessica Chastain aus, die vor ihrem Vorsprechen sĂ€mtliche Filme Malicks in chronologischer Reihenfolge studiert hatte. Malick wies sie an, sich in Vorbereitung auf die Dreharbeiten Filme aus den 1930er und 1940er Jahren, speziell von Lauren Bacall, anzusehen. Chastain sollte sich mit der im Vergleich zu heute langsameren Sprechweise vertraut machen.cite-ref-13[13] âKaum ein Moment in diesem Film ist geplantâ, gab Chastain wie Pitt an. âEr [Malick] hat eine AtmosphĂ€re am Set erzeugt, die dafĂŒr sorgte, dass schlieĂlich vor der Kamera sogar ein Schmetterling auf meiner Hand landet.â
Chastain verbrachte viel Zeit auĂerhalb der Dreharbeiten mit den drei fĂŒr die Rollen der Söhne gecasteten Laiendarstellern Hunter McCracken, Laramie Eppler und Tye Sheridan. Diese waren nach einer einjĂ€hrigen Suche in Texas und Oklahoma unter mehr als 10.000 Kindern ausgesucht worden. McCracken, Eppler und Sheridan, die in der engeren Auswahl fĂŒr den Part des jungen Jack standen, wurden daraufhin zu den drei OâBrien-Geschwistern. Den Kinderdarstellern und ihren Eltern wurde nur die Rahmenhandlung, nicht aber das genaue Drehbuch gezeigt, da sie so natĂŒrlich wie möglich agieren sollten.cite-ref-14[14]
Drehorte und technischer Stab
Die Dreharbeiten fĂŒr die 1950er-Jahre-Sequenzen fanden ab Anfang MĂ€rz 2008 in Smithville, etwa 40 Meilen sĂŒdöstlich von Austin nahe dem Colorado River (Texas), statt.cite-ref-15[15] Weitere Drehorte waren Houston, Austin (Barton Springs sowie das State Capitol), die Baumwollfelder von Manor, Texas. Weitere Natursequenzen wurden im Goblin Valley State Park, in der GroĂen SalzwĂŒste, am Mono Lake, im Death Valley, im Matagorda-Bay-Nationalpark sowie an der MĂŒndung des Colorado River in den Golf von Mexiko gedreht.cite-ref-16[16]
Kameramann Emmanuel Lubezki, der bereits mit Malick bei The New World zusammengearbeitet hatte, verwendete natĂŒrliches Licht und Handkameras.cite-ref-17[17] FĂŒr das Szenenbild war der fĂŒr There Will Be Blood Oscar-nominierte Jack Fisk zustĂ€ndig, der seit Malicks SpielfilmdebĂŒt Badlands â Zerschossene TrĂ€ume (1973) zu jedem seiner Filme herangezogen wurde. Bei seiner Arbeit zu David Lynchs Mulholland Drive (2001) hörte Fisk zum ersten Mal vom Projekt. Malick gab ihm zum damaligen Zeitpunkt ein 20-seitiges Skript und teilte ihm mit, es handle sich um einen kleinen Film ĂŒber eine Familie. FĂŒr das OâBrien-Haus lieĂ sich Fisk von seiner eigenen Kindheit inspirieren. FĂŒr die KostĂŒme zeichnete Jacqueline West verantwortlich, die sich vor den Dreharbeiten mit Filmen wie David Wark Griffiths Intoleranz (1916) oder Andrei Tarkowskis Nostalghia (1983) vertraut machte. WĂ€hrend sie fĂŒr Jessica Chastain klassische Mode vorsah, lieĂ sie sich fĂŒr die Garderobe von Brad Pitt von einem alten Foto von NASA-Ingenieuren aus Texas inspirieren, die Gabardine trugen. FĂŒr die OâBrien-Familie verwendete West vorwiegend fotografieĂ€hnliche Sepia-Töne, wĂ€hrend fĂŒr die scharfkantige Figur des erwachsenen Jack ein moderner schwarzer Anzug zum Einsatz kam.cite-ref-18[18]
Die orchestrale Original-Filmmusik komponierte der Franzose Alexandre Desplat. Diese sollte die Idee eines âRequiems fĂŒr einen verlorenen Sohnâ reflektieren. Malick wĂŒnschte sich eine âtranceartige und meditativeâ Musik fĂŒr seinen Film, die sich natĂŒrlich an die vorkommenden Elemente wie BĂ€ume, Gras oder eine Sternenexplosion anpassen sollte. Daraufhin wurden nur Live-Instrumente und keine elektronische Musik verwendet. Desplat vermied Elemente der Richtung New Age und vertraute auf einfache, zeitlose Klaviermusik. DarĂŒber hinaus bestand Malick auf existierender Musik von so bekannten Komponisten wie Hector Berlioz (1803â1869) oder György Ligeti (1923â2006). Ligetis Musik war auch in 2001: Odyssee im Weltraum zum Einsatz gekommen. Von BedĆich Smetana ist Die Moldau sowie von Johannes Brahms die 4. Sinfonie zu hören. Aus Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgski wird zitiert, indem eine Schallplatte nach der Methode von Disk Jockeys bewegt wird. Desplat lieĂ sich von den StĂŒcken inspirieren und nahm einen Soundtrack von zwei Stunden Laufzeit mit dem London Symphony Orchestra auf, wobei er nur BruchstĂŒcke des Films gesehen hatte.cite-ref-19[19] Am 24. Mai 2011 wurde der Soundtrack von Lakeshore Records veröffentlicht.
FĂŒr Tree of Life konsultierte Malick selbst eine Reihe von Physikern, Astronomen und Biologen auf der ganzen Welt,cite-ref-20[20] darunter den US-amerikanischen Planetologen und PalĂ€ontologen Andrew Knoll von der Harvard University. Um den Urknall und die Entstehung des Lebens authentisch darzustellen, nutzte Malick das erste Mal in seiner Karriere die Möglichkeiten visueller Effekte. Bereits Jahre vor Drehbeginn hatte er Douglas Trumbull kontaktiert. Der Tricktechniker, der sich zu dieser Zeit bereits aus dem FilmgeschĂ€ft zurĂŒckgezogen hatte, war u. a. fĂŒr die Effekte von 2001: Odyssee im Weltraum (1968), Unheimliche Begegnung der dritten Art (1977) oder Blade Runner (1982) verantwortlich und fand Gefallen an einer Zusammenarbeit mit Malick, der anstatt Computergrafiken lieber natĂŒrliche PhĂ€nomene aus Wasser und Farben favorisierte. Trumbull installierte heimlich ein Labor in Austin namens âSkunkworksâ. Dort experimentierten beide u. a. mit Chemikalien, Farben, fluoreszierenden Farbstoffen, Dampf, FlĂŒssigkeiten, Kohlenstoffdioxid, Lichtreflexen, Strömungslehre, Aufflammen und Hochgeschwindigkeitsfotografie, um kosmische Effekte zu simulieren. Diese fanden Eingang in den Film. FĂŒr computeranimierte Effekte wie die Dinosaurier-Sequenzen wurde Dan Glass verpflichtet, der u. a. an Matrix Reloaded (2003) und V wie Vendetta (2006) mitgewirkt hatte. Glass selbst wurde niemals ĂŒber die genaue Handlung des Films oder die 1950er-Jahre-Sequenzen unterrichtet. Er wĂ€hlte unbearbeitete Filmaufnahmen von MammutbĂ€umen in Nordkalifornien bzw. der AtacamawĂŒste in Chile aus und platzierte Dinosaurier darin. Als wissenschaftlicher Berater hierfĂŒr wurde der US-amerikanische PalĂ€ontologe Jack Horner verpflichtet, der u. a. auch an Steven Spielbergs Jurassic Park (1993) mitgearbeitet hatte.cite-ref-21[21]
Deutsche Synchronfassung
Die deutsche Synchronbearbeitung entstand bei Interopa Film in Berlin.cite-ref-synchronkartei-22-0[22] Das Dialogbuch verfasste Alexander Löwe, Synchronregie fĂŒhrte Sven Hasper.cite-ref-synchronkartei-22-1[22]
| Darsteller | Deutscher Sprecher [ 22 ] | Rolle |
|---|---|---|
| Brad Pitt | Tobias Meister | Mr. OâBrien |
| Jessica Chastain | Marie Bierstedt | Mrs. OâBrien |
| Kelly Koonce | Bernd Vollbrecht | Father Haynes |
| Fiona Shaw | Karin Buchholz | GroĂmutter |
| Sean Penn | Marcus Off | Jack |
| Michael Showers | Matthias Klages | Mr. Brown |
| Nicolas Gonda | Matthias Rimpler | Mr. Reynolds |
| | Matthias Klages | Will |
Kritiken
Französische und deutschsprachige Pressestimmen
The Tree of Life feierte seine Premiere am 16. Mai 2011 im Rahmen der Filmfestspiele von Cannes. Malicks Regiearbeit war bereits ein Jahr zuvor im Wettbewerb erwartet worden, aber zum damaligen Zeitpunkt noch nicht fertiggestellt.cite-ref-23[23] Obwohl die Premiere von Malicks Film sowohl mit Buhrufen als auch Applaus quittiert wurde,cite-ref-ostwald-24-0[24] befand der ĂŒberwiegende Teil der französischen Fachkritik The Tree of Life als Favoriten auf die Goldene Palme, den Hauptpreis des Filmfestivals von Cannes.cite-ref-25[25] Der als öffentlichkeitsscheu geltende Regisseur war zwar in Cannes anwesend und besuchte heimlich die UrauffĂŒhrung, weigerte sich aber, an Pressekonferenzen teilzunehmen, und entzog sich damit der Diskussion um die tiefere Bedeutung seines Films.cite-ref-26[26]cite-ref-27[27] âTerrence sieht sich als jemand, der ein Haus baut, aber er will es dann nicht auch verkaufen mĂŒssen.â, so Brad Pitt bei der offiziellen Pressekonferenz in Cannes.cite-ref-sda-12-1[12] Schauspielerin Jessica Chastain gab an, The Tree of Life solle fĂŒr sich selber sprechen.cite-ref-nord-28-0[28] Thomas Sotinel (Le Monde) berichtete als eine der wenigen kritischen Stimmen, dass Malicks Regiearbeit âVerwunderung und viele Zweifelâ hinterlasse. Der âzerkleinerte Filmâ zerspringe auf der Kinoleinwand, verursache âunsĂ€gliche Langeweileâ, entwickle sich aber dann in wenigen Einstellungen mit âberĂŒhrender Anmutâ. Zwar sei der Urknall niemals sorgfĂ€ltiger in Szene gesetzt worden, doch die Computer wĂŒrden Malick âbetrĂŒgenâ, das computeranimierte Material habe âkeine Seeleâ. Der Film habe etwas von einer âkosmischen (teilweise komischen) Unförmigkeitâ und könne das Publikum spalten.cite-ref-29[29]
Ebenfalls gröĂtenteils positiv Ă€uĂerte sich die deutschsprachige Presse. Verena Lueken (FAZ) pries den Film als ĂŒberwĂ€ltigende Kinoerfahrung und verglich The Tree of Life mit dem ersten Sehen von Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum. Es gehe nicht âums Bedeutenâ, sondern wie in Malicks frĂŒheren Filmen âums Sehenâ. Die Natursequenzen seien ein âErlebnis brillanten Filmemachensâ, die Familiengeschichte folge nicht dem herkömmlichen ErzĂ€hlstil, sondern wie Erinnerung funktioniere: âpunktuell, unchronologisch, mit langen oder ganz kurzen Szenen aus verschiedenen Zeitenâ. Die Off-Stimmen hĂ€tten laut Lueken etwas sparsamer eingesetzt werden können. Obwohl Sean Penn selten im Bild sei und kaum einen Dialogsatz spreche, verfĂŒge er ĂŒber eine âumwerfende PrĂ€senzâ.cite-ref-30[30] Nach dem zweiten Sehen korrigierte sich Lueken in Hinblick auf die Off-Stimmen: âEs wird gar nicht gepredigt, das macht ein zweites Sehen ganz klar. Und was beim ersten Mal in Cannes noch eine Ahnung war, liegt beim zweiten offen vor Augen. Dies ist, mit allem, was das abgedroschene Wort einmal bedeutete, eine Trauerarbeit.âcite-ref-31[31] Laut Urs Jenny (Der Spiegel) spiele Malick Gott und lasse den Zuschauer in der âgröĂtmöglichen RĂŒckblende der Kinogeschichteâ zusehen, wie die Welt entstehe. Der junge Jack sei Malicks âTraum-Egoâ, gleichzeitig schwelge der Regisseur in Schönheit, wie es Kubrick und Andrei Tarkowski getan hĂ€tten. Wie Jennycite-ref-32[32] zog auch Susanne Ostwald (Neue ZĂŒrcher Zeitung) Vergleiche zu Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum und pries The Tree of Life als den bisherigen Höhepunkt des Filmfestivals, als âbildgewaltiger Hymnus auf das Leben und die Entstehung allen Seins, eine Exploration der Urgewalten, die das Universum erschufen und zusammenhalten, eine Ode an die Liebeâ. Malick finde eine ErklĂ€rung fĂŒr den Glauben und es sei, âals habe man das Leben in seiner Essenz geschautâ.cite-ref-ostwald-24-1[24]
Dominik Kamalzadeh (Der Standard) sah ebenfalls einen ersten Höhepunkt von Cannes. Noch nie sei Malick spiritueller gewesen, weshalb einige Buhrufe bei der Premiere zu erwarten gewesen seien. Dem Regisseur gehe es um âeine Art Ăberwindung der indifferenten Natur (als evolutionĂ€res Werden) mit den poetischen Möglichkeiten des Kinosâ. Die Schönheit seines Kinos sei eine, âdie sich der Wiederherstellung der Wirkkraft von Bildernâ verdanke. Malicks Wagnis verdiene jeden Respekt, auch wenn manche Bilder schon zu sehr von anderen Kontexten ĂŒberlagert seien.cite-ref-33[33] Tobias Kniebe (SĂŒddeutsche Zeitung) zog ebenfalls Vergleiche zu Kubrick und urteilte, dass die Schönheit der Filmbilder am bewegendsten sei, solange diese ganz fĂŒr sich stĂ€nden.cite-ref-34[34] Cristina Nord (die tageszeitung) erinnerten manche der Aufnahmen aus den Weiten des Kosmos an das Innere einer GebĂ€rmutter. Alles laufe auf die These hinaus, dass âsich die Phylogenese in jeder Ontogeneseâ wiederhole. Der Film blĂ€he sich, auch durch die Filmmusik, bisweilen âzu sehr in seiner SpiritualitĂ€t, seiner Naturmystik und Gottessuche.â The Tree of Life sei eher âals Delirium ĂŒber die letzten Dingeâ, nicht als âMittel der Zeitdiagnoseâ zu verstehen.cite-ref-nord-28-1[28] Wolfgang M. Schmitt (Die Filmanalyse) kritisierte, Malick verknĂŒpfe Kreationismus mit Darwinismus, sodass der Film letztlich âeine Ayurveda-Massage auf Darwins RĂŒcken mit christlicher Kirchenmusik zum WohlfĂŒhlenâ sei.cite-ref-35[35]
US-amerikanische Fachkritik
The Tree of Life startete wenige Tage nach seinem Triumph in Cannes am 27. Mai 2011 in ausgewĂ€hlten US-amerikanischen Kinos. In der Heimat von Terrence Malick erhielt der Film fast ausnahmslos positive, oftmals sehr gute Kritiken. Von 36 berĂŒcksichtigten Filmkritiken fanden 34 den Film âpositivâ, zwölf vergaben die Bestnote 100.cite-ref-36[36] Kenneth Turan (Los Angeles Times) urteilte, es handle sich um âeine Art von ultimativen amerikanischen Kunstfilmâ mit einem sorgfĂ€ltig ausgewĂ€hlten Choral-Soundtrack (unter anderem Bach, Couperin, Mozart, Mahler, Smetana, Gorecki, Respighi, Holst, Taverner) und Bildern von auĂergewöhnlicher Schönheit. Es sei schwer, an einen Film zu denken, der so privat und persönlich ist, wie sich The Tree of Life anfĂŒhle. Die Handlung um die Familie OâBrien stelle â obwohl tief empfunden und gut gespielt â eine recht bekannte Konstellation dar und erinnere an Elia Kazans Jenseits von Eden. Malick nutze Stil und Geschick, um das âGewöhnliche mit Bedeutungâ, das kleine Einfamilien-Drama mit kosmischer BeschĂ€ftigung und der Seelensuche des Ă€lteren Jack âzu trĂ€nkenâ. Seine âgroĂe FĂ€higkeitâ halte den Zuschauer fĂŒr einige Zeit, es sei aber nicht genug, um dem Mangel an dramatischer Verstrickung zu kompensieren â âdiese eschatologischen WindmĂŒhlen neigen die Geschichte zu ĂŒberwĂ€ltigenâ, so Turan.cite-ref-turan-4-2[4] Roger Ebert (Chicago Sun-Times) nannte den Film von âĂŒberwĂ€ltigendem Ehrgeiz und tiefer Ergebenheitâ und zog ebenso den Vergleich zu 2001: Odyssee im Weltraum. Auch Ebert bemerkte, dass der Familiengeschichte ein offenkundiger Plot fehle und lobte das detaillierte Szenenbild von Jack Fisk.cite-ref-37[37] A. O. Scott (The New York Times) lobte ebenso Fisk sowie die Kameraarbeit von Emmanuel Lubezki und die Darstellerleistungen von Brad Pitt, Jessica Chastain und Laiendarsteller Hunter McCracken â Malicks Alter-Ego. Die Schönheit des Films sei âĂŒberwĂ€ltigendâ. Wie bei anderen Werken der religiös gesinnten Kunst seien die âĂ€sthetischen Herrlichkeiten angebunden zu einem demĂŒtigen und erhabenen Zweck, nĂ€mlich das Licht des Heiligen auf die weltliche RealitĂ€t schimmern zu lassenâ. Scott beschrieb den Film auch als âOde an die Kindheitâ und verglich ihn mit William Wordsworths Ode Intimations of Immortality, transportiert in die Welt der Fernsehserie Leave It to Beaver. Er nannte Malick in einer Reihe mit den US-amerikanischen Romantikern Herman Melville (Moby Dick), Walt Whitman (Leaves of Grass), Hart Crane (The Bridge) und James Agee (A Death in the Family). Gerade die teilweise erscheinende Unbeholfenheit, Unvollendetheit, Ungeschliffenheit und fehlende Perfektion ihrer Werke sei es, die sie lebendig und spannend machten. Zwar wĂ€re Malick besser beraten gewesen, die Dinosaurier- und Jenseitssequenzen nicht in die endgĂŒltige Filmfassung aufzunehmen, aber die Phantasie lebe von Risiken, âinklusive des Risikos des UnverstĂ€ndnissesâ. Scott könne nicht sagen, ob alle Teile zusammenhĂ€ngen, alles einen Sinn ergebe und funktioniere, er vermute aber irgendwann â âzwischen jetzt und dem JĂŒngsten Gerichtâ.cite-ref-scott-5-2[5]
Der Film prĂ€sentierte laut dem amerikanischen Branchendienst Variety âetwas AuĂergewöhnlichesâ und sei âin vielen Dingen das einfachste, jedoch am meisten herausfordernde Werkâ von Malick. Sein âeinwandfreies Kunstkinoâ, Malicks emotional ansprechendste Arbeit seit In der Glut des SĂŒdens, werde die Kritikerstimmen spalten. Die anrĂŒhrenden Bilder von den Freuden, Sorgen und Unsicherheiten des jungen Jack atmeten eine an Norman Rockwells Bilder erinnernde Nostalgie. The Tree of Life, ein Ausnahmefilm darin, dass er nach der Anwesenheit Gottes in einer gefallenen Welt dringend frage und sie zugleich akzeptiere, verstehe jede Kindheit als eine Schöpfungsgeschichte fĂŒr sich.cite-ref-38[38] The New Yorker verglich Malick in seiner langsamen Arbeitsweise und Scheuheit mit dem Autor Thomas Pynchon. Sean Penn stelle die erste Filmfigur des Regisseurs dar, die in der Gegenwart lebe. Das Sehen des Films sei vergleichbar mit dem Lesen von Ralph Waldo Emersons Essay The Over-Soul.cite-ref-39[39] Peter Travers (Rolling Stone) befand, dass The Tree of Life mit den Augen eines Poeten gefilmt und ein âBahnbrecherâ sei, âeine persönliche Vision, die es wage, nach den Sternen zu greifenâ. Kameramann Emmanuel Lubezki verbinde die intime Geschichte mit der kosmischen, indem er âWunder von Licht und Schattenâ kreiere. Pitts Figur sei durch schwache Leistungen gebrochen und lasse den Zuschauer die Qual subtil spĂŒren.cite-ref-40[40]
Auszeichnungen
The Tree of Life wurde bei den Filmfestspielen von Cannes 2011 mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Malick blieb aber der Verleihung fern. Die Produzenten Dede Gardner und Bill Pohlad nahmen den Preis stellvertretend fĂŒr den Regisseur entgegen. Von der Filmkritikervereinigung FIPRESCI wurde der Film mit dem Grand Prix de la FIPRESCI ausgezeichnet. Ebenfalls im Jahr 2011 folgte der US-amerikanische Gotham Award als âBester Filmâ (gemeinsam mit Mike Millsâ Beginners) und bei der Verleihung des New York Film Critics Circle Award folgten Auszeichnungen fĂŒr Brad Pitt (Bester Hauptdarsteller), Jessica Chastain (Beste Nebendarstellerin) und die Kameraarbeit von Emmanuel Lubezki. Chastain wurde fĂŒr ihre Rolle u. a. auch der Hollywood Breakthrough Award des Hollywood Film Festivals zuteil. Komponist Alexandre Desplat gewann u. a. fĂŒr seine Musik zu The Tree of Life den World Soundtrack Award. Bis Januar 2012 folgten u. a. drei Oscar-Nominierungen (Bester Film, Beste Regie, Beste Kamera), die Filmpreise der Kritikervereinigungen von Chicago, San Francisco und Toronto sowie der Online Film Critics Society Award als Bester Film.
2016 landete The Tree of Life bei einer Umfrage der BBC auf Platz sieben der 100 bedeutendsten Filme des 21. Jahrhunderts. Im Jahr zuvor hatte Malicks Regiearbeit in der BBC-Wahl der 100 bedeutendsten amerikanischen Filme Platz 79 belegt.cite-ref-41[41]
Deutsche Heimkinoveröffentlichung
Am 10. November 2011 veröffentlichte Concorde Home Entertainment den Film auf DVD und Blu-ray Disc mit FSK-12-Freigabe. Das Bildformat ist 1,85:1. Der Ton liegt in deutscher und englischer Sprache in DTS-HD Master Audio 5.1 vor. Das 30-minĂŒtige Bonusmaterial beinhaltet eine Dokumentation ĂŒber die HintergrĂŒnde des Films und zwei Kinotrailer.
Extended Cut
In enger Zusammenarbeit mit Terrence Malick produzierte The Criterion Collection eine Langfassung von The Tree of Life.cite-ref-42[42] Die erweiterte Version hat eine Laufzeit von 188 Minuten und wurde bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 2018 uraufgefĂŒhrt, bevor sie am 11. September 2018 auf DVD und Blu-ray Disc in den USA erschien.cite-ref-43[43] Die neue Schnittfassung ist kein Directorâs Cut, sondern eine alternative Version von The Tree of Life.cite-ref-44[44] DarĂŒber hinaus wurde der Film in 4K neu abgetastet und restauriert.
Literatur
âą Henry Keazor: Stil, Symbol, Struktur: âThe Tree of Lifeâ als Motiv im Film. In: Der achte Tag. Naturbilder in der Kunst des 21. Jahrhunderts, hrsg. von Frank Fehrenbach und Matthias KrĂŒger, de Gruyter, Berlin/Boston 2016, ISBN 978-3-11-037444-5, S. 163â200.
âą Michael Strothmeier: Kino als religiöses Ereignis. Eine existenzphilosophische und biblisch-theologische Revisionierung von Terrence Malicks âThe Tree of Lifeâ vor dem Hintergrund seines Hauptwerks.cite-ref-45[45]
Weblinks
âą Profil und Pressemappe bei festival-cannes.com (englisch)
âą The Tree of Life bei IMDb
âą Gutachten der Deutschen Film- und Medienbewertung
âą Brad Pitt ĂŒber die Arbeit mit Terrence Malick, in The Guardian, 30. Juni 2011 (englisch)
Einzelnachweise
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cite-note-jmk-22. Alterskennzeichnung fĂŒr The Tree of Life. JugendmedienÂkommission.
cite-note-33. â In der englischen Originalsprache des Films lautet dieses Zitat: âWhere were you when I laid the earthâs foundation ⊠while the morning stars sang together and all the sons of God shouted for joy?â
cite-note-turan-44. Turan, Kenneth: So much left unsaid. In: Los Angeles Times, 27. Mai 2011, Teil D, S. 1.
cite-note-scott-55. Scott, A. O.: Heaven, Texas And the Cosmic Whodunit. In: The New York Times, 27. Mai 2011, Section C, S. 1.
cite-note-66. â Robey, Tim: Hollywoodâs poet returns. In: The Daily Telegraph, 9. April 2011, S. 4â5.
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cite-note-88. â Indo-Asian News Service: Percept to produce Hollywood starrer. 29. August 2005, 3:12 PM EST (aufgerufen via LexisNexis Wirtschaft).
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